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03.02.2010 | Ich möchte nur schnell ein Kompliment machen ...
Am Mittwoch, dem 20. 1. 2010 fand aus der Inselschule Fehmarn eine große Live-Übertragung durch den Deutschlandfunk (DLF) statt. Die jetzt zweieinhalb Jahre existierende Vorzeigeschule musste unter anderem in einer Diskussionsrunde Rede und Antwort stehen. Auch Kultusminister Ekkehard Klug (FDP) äußerte sich.
Besonders über die spontanen Mails und Faxsendungen, die während der Sendung oder direkt hinterher in der Schule eintrafen, freute sich die Schulleiterin der Inselschule Michaela Schmeiser. So schrieb eine Hörerin des „Länderberichts“ des DLF:“ Ich möchte nur schnell den Lehrerinnen und Lehrern der Schule, die gerade im Beitrag des Deutschlandfunks zu hören sind, ein Kompliment machen! Erstens erscheinen sie als sehr engagierte, auf das Wohl der Schüler/innen bedachte Lehrkräfte, und zweitens lassen sie sich von den skeptischen Fragen derer, die um jeden Preis an der frühen Sortierung festhalten wollen, nicht aus der Ruhe bringen.“.
In der Tat, auch im weitesten Sinne des Wortes, hatten sich die Teilnehmer der großen Talkrunde, die Schmeiser in Absprache mit dem Moderator Jürgen Wiebicke zusammengestellt hatte, nicht aus der Ruhe bringen lassen: Die gesamte Klasse 7c war im Aufnahmeraum, zwei Klassenlehrer, die Teamleiterin, der Personalrat sowie der Lüneburger Erziehungswissenschaftler Prof. Matthias von Saldern und – ganz wichtig – zwei Elternvertreterinnen sowie Bürgermeister Schmied.
Parallel hierzu befand sich eine Moderatorin des DLF in der Klasse 7d, die zusammen mit den Klassenlehrerinnen bei der Projektarbeit waren. Mehrmals am Vormittag schaltete Moderator Wiebicke in den Klassenraum, um den Hörern des DLF die Teilnahme am Unterricht zu ermöglichen.
Zugeschaltet war der Kultusminister des Landes, E. Klug, der so Zugang in das Diskussionsgespräch an der Inselschule Fehmarn hatte.
Zunächst jedoch wandte sich der Moderator ruhig und einfühlsam an die Schüler und Schülerinnen der 7c, die sich nur positiv äußerten und die heterogene Lerngruppe, also die, in der sich Schüler/innen vieler Begabungen befinden, als Vorteil empfanden. Für Johanna z. B. stand der Begriff des gegenseitigen Helfens im Mittelpunkt ihrer Beurteilung. Der Moderator zielte in seinen Fragen hingegen immer wieder auf die sogenannte Sternchenproblematik, gemeint sind die drei verschiedenen Anspruchsniveaus, z. B. in den Klassenarbeiten, die die Kinder, öfter in Zusammenarbeit mit den Lehrern, wählen können: Die Niveaus sind über ein bis drei Sternchen gekennzeichnet. Zwei Klassenlehrkräfte erläuterten am Beispiel von Tests die Anforderungsprofile. Mathematiklehrer U. Buchen: „75 – 80 % (unserer) Schüler/innen schätzen sich nach (den) zwei Jahren richtig ein.“ Elternvertreterin Spohr, die ein Kind im fünften Jahrgang, ein weiteres im siebten Jahrgang hat, konnte nur bestätigen: „Meine Kinder kommen sehr gut zurecht mit dem Sternchensystem,. Ich auch!“
Deutlich war Prof. v. Saldern anzumerken, dass er nicht recht damit einverstanden war, dass das Hauptaugenmerk der Diskussion immer wieder auf die drei unterschiedlichen Anspruchsebenen gelenkt wurde: „Das neue „Notensystem“ sei nur ein scheinbarer „Bruch mit der Lerntradition“, entscheidend sei der „Bruch mit dem Denken, dass man Kinder nach der vierten Klasse ‚eintüten’ kann.“ „Das ‚Geheimnis’ ist, dass die Entwicklung nach oben hin offen ist, die Möglichkeit – nach oben offen – sich immer wieder zu verbessern.“
Er wies auf den „Run“ der Eltern und Schüler/innen auf die Gemeinschafts- und Gesamtschulen in Deutschland hin Die neuesten Zahlen aus Nordrhein-Westfalen belegten: Fünfzig Prozent der Schüler, die an Gesamtschulen das Abitur gemacht hätten, hatten eine Realschulempfehlung, zwanzig Prozent hätten die Hauptschule besuchen sollen.
Sachlich begründete Bürgermeister Schmied die Einführung der Gemeinschaftsschule auf der Insel. Insbesondere in Anbetracht der neuen Baumaßnahmen sei „das Festland gierig auf Plätze“ an der Inselschule.
Der zugeschaltete Kultusminister Klug stellte heraus, es gebe bewusst eine „Vielfalt im Schulangebot“ und man habe im Koalitionsvertrag eine „Öffnung für die Gestaltungsmöglichkeiten der Gemeinschaftsschulen“ festgelegt.
Schulleiterin Schmeiser ging auf die Ausführungen des Ministers nicht direkt ein. Auf die Frage des Moderators, ob nicht durch das Differenzierungssystem über die drei unterschiedlichen Lernniveaus das „alte System durch die Hintertür wieder da“ sei, machte sie deutlich, dass eine Beurteilung an der Burger Gemeinschaftsschule „je nach Fach und Talentierung“ geleistet werde, durch die differenzierende Beurteilung der einzelnen Fächer „lasse (sich) die Begabung herausheben“. Dies den Eltern und Kindern auf Fehmarn zu vermitteln sei „kein großes Problem“.
Geschickt wurde vom Moderator während dieser eher theoretischen Debatte immer wieder in das Klassenzimmer geschaltet, in dem die Kinder bei der Arbeit waren: Wochenplaner, Laptop-Arbeit, Pflichtsachen, Kontrolle, Stationenlernen, Justins Vokabelrätsel, der Bruchrechnenführerschein und Klassenrat waren Themen, die den Zuhörern die Arbeit in der Klasse nahe brachten. Deutlich wurde, wie sich die Rolle des Lehrers zum „pädagogischen Begleiter“ verändert hat und dass die Kinder vor allen Dingen das selbständige Arbeiten lernen, das Erkennen und Setzen eigener Ziele.
v. Saldern empfahl den Eltern einen Unterrichtsbesuch. Es sei faszinierend „so eine Unterrichtsstunde zu sehen, wenn am Ende 34 Kinder von 34 Kindern arbeiten und nicht nur dasitzen und zuhören“.
Ganz klar wurde aber auch: Lehrer müssen (dazu) lernen. Schmeiser sprach in diesem Zusammenhang von einem „Prozess der Lehrerentwicklung“, von „lebenslangem Lernen“, jedoch nicht nur der Lehrer sei betroffen, die gesamte Schule sei ein „lernendes System“.
Es wurden in dieser hochinteressanten Sendung wesentliche Diskussionspunkte angesprochen. Minister Klug versprach ein neues Ausbildungskonzept für die Lehrer der Sekundarstufe I, sah jedoch für die unterschiedliche Besoldung „keine Änderung in absehbarer Zeit“.
Übereinstimmend positiv wurde der Satz Prof. v. Salderns aufgenommen, dass das Ziel einer guten Schule nicht sei, die Schüler/innen gleich zu behandeln, sondern – im Gegenteil – die Ungleichbehandlung, das heißt, jeden nach seinen individuellen Fähigkeiten zu unterstützen.
(KaiRo)
Noch zu hören unter: Podcast
Kai Rohkohl
für die
Inselschule Fehmarn
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